Der Saarloos Wolfhond

 

Vorab zur Bedeutung des Wortes „Wolfhond“:

Anders als beim Irish Wolfhound, der die Wölfe gejagt hat, IST der Saarloos ein Wolfshund. Seine Erscheinung, sein Wesen und sein Verhalten sind dem Wolf sehr ähnlich.

Nun wissen wir, dass alle Hunde vom Wolf abstammen, der Unterschied liegt im Ursprung dieser Rasse „Saarloos Wolfhond“.

Ein wenig Geschichte:

In den 20er Jahren setzte sich Leendert Saarloos zum Ziel eine neue Rasse zu erschaffen. Er wollte einen natürlichen Gebrauchshund züchten, der resistenter gegen Krankheiten und die Veranlangungen des Wolfes, mit allen psychischen und körperlichen Fähigkeiten, in sich tragen sollte.

Ein deutscher Schäferhund (Gérard van Fransenum) und eine europäische Wölfin (Fleur) brachten im Laufe der Jahre 28 Nachkommen.

1969 starb L. Saarloos und seine neu geschaffene Rasse „europäischer Wolfshund“ wurde erst 1975 vom „Raad v. Beheer op Kynologisch Gebied“ anerkannt und der Name „europese Wolfhond“ wurde zu Ehren von L. Saarloos in Saarloos Wolfhond umbenannt.

1981 folgte dann die Anerkennung der Rasse durch den FCI (Standard Nr. 311.1 Gruppe 1).

Die Zucht „van de Kilstroom“ wurde nach dem Tod L. Saarloos von seiner Tochter Marijke bis zum heutigen Tage fortgeführt.

 

Das äussere Erscheinungsbild des Saarloos Wolfhond (SWH) ist dem des Wolfes sehr ähnlich. Das stockhaarige Fell gibt es in grau, waldbraun und crème farbend.

Die Hündinnen sind 60-70cm gross und die Rüden 65cm bis 75cm.

Ein SWH kann um die 30-45kg schwer werden.

Das Gangwerk des SWH ist leichtfüssig und federnd, ein typisches Traben, das wiederum an den Wolf erinnert.

 

Das Wesen des Saarloos Wolfhond:

Es ist mehr als schwierig, den SWH mit einer allgemeinen Beschreibung gerecht zu werden. Man kann einiges über das Wesen erzählen aber Abweichungen gibt es natürlich immer. Prägungsphase, Sozialisierung, Charakter und äussere Einflüsse haben einen grossen Einfluss darauf.

Der SWH hegt Misstrauen gegenüber fremden Menschen und neuen/fremden Situationen. In seiner Mimik sieht man deutlich, dass er diese Situation nicht mag und am liebsten flüchten würde. Durch seinen natürlichen Fluchtinstinkt und seinen Ausdruck in solchen Situationen wird oft angenommen er sei aggressiv. Dem ist aber nicht so!

Ein Wolf ohne diese Eigenschaft des Misstrauens könnte in seiner natürlichen Umgebung nicht überleben.

Die Sozialisierung ist sehr wichtig um das Misstrauen ein wenig zu veringern und Vertrauen aufzubauen.

SWH müssen an jede neue Situation mit viel Geduld und Liebe heran geführt werden. Und dies immer wieder aufs Neue.

Jedem neuen Geräusch, jedem neuen Ort, jeder fremden Person, jedem fremden Objekt wird erst das nötige Misstrauen entgegengebracht.

Man muss viel Zeit in die Sozialisation investieren und dies ein Hundeleben lang.

Sie trägt aber auch dazu bei, dass die sowieso schon sehr starke Bindung zum Besitzer, immer noch stärker wird.

Durch seine ausdrucksvolle Körpersprache und Mimik liest man in seinem SWH, wie in einem Buch. Man erkennt sehr schnell und deutlich was „nun“ passiert und wie der Hund reagiert. Durch dies und seine aussergewöhnliche Bindung zum Besitzer machen aus beiden ein unzertrennliches Paar.

Der SWH ist eine unwahrscheinlich faszinierende Rasse. Jeden Tag lernt man immer wieder von diesen Tieren. Man könnte ihn stundenlang beobachten, seine Bewegungen, seine Mimik, seine Freundlichkeit und seine Freude wenn er im Rudel umher läuft oder auch alleine.

Dennoch soll man nicht denken dass ein SWH ein „einfacher“ Hund ist. Im Gegenteil -  es ist eine grosse Herausforderung und auf keinen Fall ein Hund für Anfänger oder für Jedermann.

SWH sind sehr eigensinnig und selbständig. Sie zeichnen sich auf keinen Fall durch sklavischen Gehorsam aus. Sie brauchen deswegen mehr als andere Hunde eine Rudelordnung. Sie müssen wissen wer der "Chef" ist und dies natürlich nicht durch Unterdrückung.

Es erfordert Strenge und Konsequenz aber vor allem Geduld, Liebe, Toleranz und Freundlichkeit seinen SWH zu „erziehen“. Er wird nicht unbedingt wie andere Hunderassen, aufs Wort das tun was man von ihm verlangt.

Der SWH ist eher unterwürfig als gehorsam.

Mit Druck und Gebrülle erreicht man hier gar nichts -  Im Gegenteil.

Wenn er weiss wo seine Position im Rudel ist, stellt er diese auch nicht in Frage.

Da sie Rudeltiere sind, sind sie nicht gerne alleine. Sie müssen langsam daran gewöhnt werden, auch ein paar Stunden allein zu sein. Dies darf auf keinen Fall zu lange sein, sonst leidet der SWH unter starken Trennungsängsten. Ideal ist es, wenn der SWH einen Gefährten hat, der ständig bei ihm ist.

Diese Trennungsängste können Zerstörungswut auslösen, sie kann aber auch einfach nur so entstehen.

Ein SWH nimmt alles was im unter die Nase kommt, also besser nichts liegen lassen, was ganz bleiben sollte.

Blumen und Sträucher im Garten braucht man gar nicht erst zu pflanzen, denn der Saarloos liebt es umher zu streunen,seine Pfade zu ziehen und Löcher zu buddeln.

Der SWH ist kein Wachhund, obwohl er bellen kann tut er dies eher selten. Da ihm der Angriffstrieb fehlt ist er zur Verteidigung auch ungeeignet.

Eine Ausbildung zum Schutz- oder Polizeihund ist ausgeschlossen da ihm von Natur aus der Beschützerinstinkt fehlt.

Der SHW ist sehr intelligent und in Sachen Problemlösung sehr geschickt. Durch sein phänomenales Gedächtnis und sein Lernvermögen gelingt ihm oft Unglaubliches. Gelerntes wird umgesetzt obwohl man nicht im Traum daran gedacht hat, dass der SWH dies in so kurzer Zeit könnte.

Dagegen wiederum sind, für uns harmlose Situationen, für den SWH Problemsituationen an die er erst gewöhnt werden muss. Dazu gehört vor allem Auto fahren!!

Viele SWH haben grosse Probleme damit. Sie setzen Harn und Kot ab, übergeben sich und produzieren übermässig Speichel. Es kann sein dass die Speichelabsonderung nie vergeht.

Regelmässiges Training, am besten jeden Tag, von Anfang an sind ein absolutes Muss damit der Welpe sich daran gewöhnt.

Einen SWH kann man von Welpen an ans „freilaufen“ gewöhnen. Durch die starke Bindung zu seinem Besitzer lernt er nicht wegzulaufen, mit „Versteck-spielen“ unterstützt man das Bedürfnis den Besitzer wiederzufinden und sich so nicht all zu weit von ihm zu entfernen.

Nicht zu unterschätzen jedoch ist der ausgeprägte Jagdtrieb! Beim freilaufen muss man immer aufpassen dass der SWH keine Spur findet, da hält ihn nichts und niemand mehr auf dieser nach zu laufen.

Auch da muss der Besitzer versuchen von Welpen auf, den Hund abzulenken, sodass er so wenig wie möglich auf die Idee kommt zu jagen.

Der SWH sieht sehr früh erwachsen aus, da er schneller wächst und schnell ausgewachsen ist. Da besteht schnell die Gefahr, den noch Junghund zu überfordern und mehr von ihm zu erwarten als ihm möglich ist.

Erwachsen ist ein SWH erst mit ungefähr 3 Jahren. Dies muss man sich stets bewusst sein.

Ein SWH ist ein sehr liebevoller, treuer und faszinierender Begleiter – sein Leben lang.

 

© M.R, www.saarloos-wolfhond.lu

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Dieser Rasseporträt wurde von mir, M.R. geschrieben.